Zur Reizung:
Süd eröffnet mit 1♠️ und Nord antwortet mit 2♣️ (forcierend und selbstforcierend). Ab 11 FL braucht es in ungestörter Reizung (!) dafür nur ein 4er ♣️ (Bridge lernen. – Bd. 1, S. 117) – und ein Pikfit ist damit noch nicht verneint!
Süds 2♠️ zeigt 13 - 16 FL, das Pik kann damit eine 6er- Länge(+) haben, muss aber nicht! Auch mit einer 5er- Länge müsste Süd mit 12-14 FL seine Farbe wiederholen, wenn keine zweite Farbe gereizt werden kann. Noch stärker (15-17 FL) und mit
5-3-3-2-Verteilung könnte Süd stattdessen 2SA bieten! Eine Hebung in 3♣️ setzte ab 14FL voraus, weil sie vollspielforcierend wäre (Nord könnte nur 11F mitbringen und fürs Vollspiel braucht Süd dann mindestens 14 F (11+14=25).
Nord bestätigt nun den Fit mit einer 3er-Länge; mit einer 4er-Länge hätte in der ersten Antwort die Sprunghebung in 3♠️ Vorrang gehabt. So aber ist das 3♠️ in diesem Fall nur einladend (trotz der 2 über 1-Reizung vorher). Süd hebt ins Vollspiel. Für die Gegenspieler lässt das schon einige Schlüsse zu: Nord hat beinahe EÖ-Stärke, einen Pikfit von 3 Karten und wahrscheinlich eine gute Trefffarbe.
Zum Gegenspiel
I. Das Ausspiel
West hat ein gutes und einfaches Ausspiel. Natürlich greift er mit dem ♥️-Ass an, das verspricht außerdem auch den König! Nur in ganz seltenen Ausnahmen, wenn alles andere schlechter wäre, darf das Ass auch mal ein Double ohne den König sein – mit dem Ziel, in der 3. ♥️-Runde zu stechen! Der Gegenspieler auf Ost geht aber immer von AKx(xx) aus! Übrigens: Hat man für das erste Ausspiel nur AK ohne kleine Karten daneben, dann spielt man zuerst den König und anschließend das Ass – ein klares Signal, dass nach AK die Farbe leer ist! In jedem Fall ist das Ausspiel von ♥️-Ass ausgezeichnet. West bleibt am Spiel, und vielleicht müssen O/W ja dringend so viele Stiche wie möglich in ihrer besten Farbe abziehen.
Auf das ausgespielte ♥️-Ass erscheinen ♥️2 vom Tisch und die ♥️3 von Ost! Süd gibt die 6!
II. Die Markierung
Welchen elementaren Schluss zieht West nun aus diesen Karten?
O/W markieren traditionell „Hoch = Positiv; Niedrig = Negativ“ ! Da die 2 sichtbar ist, stellt die 3 als kleinste fehlende Karte eine klare Abmarke für diese Farbe dar! Sie macht West klar: „Wenn Du ♥️ weiter spielst, dann kann ich Dir in der dritten Runde nicht helfen (habe nicht die D, kann aber auch nicht schnappen!).“ Eine positive Markierung (hier z.B. die ♥️9) signalisiert „Ich bekomme wahrscheinlich den dritten Stich in dieser Farbe – spiele bitte weiter!“
Heute wird in vielen Ländern und auch in Deutschland meist umgekehrt markiert „Niedrig = Positiv; Hoch = Negativ“. Wenn die Partnerschaft dies so vereinbart hat, dann wäre die ♥️9 die „Abmarke“, die ♥️3 die „Zumarke“.
In einer kommenden Folge besprechen wir als weiteres wichtiges Signal auch die „Längenmarke“, mit der man ungerade oder gerade Längen anzeigen kann.
Jedenfalls leistet die Markierung einen wesentlichen Beitrag zum weiteren Vorgehen: West weiß jetzt, dass Ost weder eine ergänzende Figur (hier die ♥️-Dame) besitzt, noch ein Double hält, um etwa die ♥️-Dame (die ja nach dieser Markierung eindeutig beim Alleinspieler sitzt) in der
3. Runde schnappen zu können!
III. Der Gegen-Spielplan
Wie sollte also nun das Gegenspiel unter diesen Umständen aussehen?
Da West weiß, dass der Alleinspieler die ♥️-Dame besitzt (hoffentlich zu dritt!) ist es wichtig, dass
Ost zu Stich kommt und dann ♥️ nachspielt, um die Dame zu fangen!
Dazu muss West hoffen, dass Ost einen sicheren Einstich, bestenfalls ein Ass, hat! Ist das überhaupt möglich? Wie kann man diese Vermutung erhärten? West geht von 24-26 F bei den Gegnern aus und hält selbst 11F. Somit könnte Ost tatsächlich ein Ass haben! Denn: ca. 25F – 11F = 4 F.
Hätten N/S mehr und O/W entsprechend weniger Punkte, dann ist nun mal kein Kraut gewachsen! Aber auf welche Farbe sollte West wechseln?
♣️ ist verführerisch, das ist die klassische "STÄRKE des Tisches" ! Doch denken wir einmal nach. Was ist wahrscheinlich der Plan des Alleinspielers? Er will zu Stich kommen, die Trümpfe ziehen und seine Verlierer auf die hohen ♣️ abwerfen! Deshalb ist Eile bei O/W geboten!
Wenn Ost den ♣️K hat, dann ist alles gut, doch andernfalls geht West mit dieser Wette ein enormes RISIKO ein. Welches? Wenn Süd das ♣️-Nachspiel mit dem ♣️K gewinnt, dann haben wir genau in seinen Plan hineingespielt, ihm den Sieg quasi auf dem Silbertablett serviert.
In ♦️ ist dagegen das Risiko minimal. Wenn Süd zufällig Ass und König hat, dann war eh nichts zu machen und O/W haben nichts verschenkt! Anschließend muss der Alleinspieler dann selbst ♣️ spielen (entwickeln). West legt also im zweiten Stich die ♦️-Dame auf den Tisch (das verspricht außerdem mindestens noch den Buben). Bei Ost erscheint tatsächlich das erhoffte Ass, und dieser spielt sofort Coeur zur West-Gabel nach! Süd hatte glücklicherweise die
♥️-Dame zweimal besetzt!
IV. Fazit
Mit vier Stichen (♦️A und drei in ♥️) ist der Kontrakt geschlagen - jedes andere Farb-Nachspiel hätte den Kontrakt geschenkt.
Den alten Spruch „Nach links durch die Stärke, nach rechts in die Schwäche“ sollte man also nie blindlings anwenden! Die Analyse der Reizung, eine gut abgesprochene Markierung und eine bedachte Abwägung von Risiken und Chancen ist in jedem Falle erfolgversprechend.
