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B006-A- "3SA -Kein Grund zur Panik!" Folge 6: Das englische Bad

Die Reizung: Teiler Süd und alle in Gefahr; die Gegner passen immer.

Süd eröffnet mit 1♣️ und Nord antwortet (forcierend) mit 1♦️, obwohl die Punkte für ein sofortiges 3 SA ausreichen würden. Aber Süd bietet nun ohne attraktiv zu reizende Farbe 1 SA und Nord hebt ins Vollspiel.

Der Gegner auf West spielt nun in Pik den König aus und sein Partner auf Ost gibt die ♠️ 3!

Welche Karten in Pik verrät uns West mit seinem Ausspiel?

Er muss K D 10 x (x x) besitzen, da wir ja den Pik-Buben in der Hand sehen! Vielleicht neben der wichtigen 10 auch noch die 9.

Dies wissen wir aber nicht.


Wie sieht der Spielplan aus? Sofortstiche: 1 in ♠️, 0 in ♥️, 1 in ♦️, und 2 in ♣️ - das sind erst 4 Stiche. Wir brauchen also noch 5!

Nochmal zurück zur Pikfarbe. Wieviel Karten hat Ost in Pik? Er spielte eine kleine Karte. Somit sieht es nach einer ungeraden Länge in Pik aus! Denn nach dem König-Ausspiel soll ja der Partner (in der "Standardmarkierung: Niedrig=ungerade") seine Anzahl (Länge) in der ausgespielten Farbe melden. Die ♠️3 sieht also nach einer, drei, oder gar fünf Karten aus! Der Alleinspieler geht von drei Karten aus! Die häufigste und vor allem die gefährlichste Verteilung!

Übrigens: Hätte Ost den ♠️B, dann müsste er ihn gleich unter den König seines Partners legen, um die schöne Pikfarbe nicht zu blockieren! Wenn im ersten Stich der Bube fällt, dann heißt das nicht, dass der Bube bei Ost single stand! Vielmehr ist das quasi der Freifahrtschein für die lange Pikfarbe von West! Der kann dann mit der Dame und seiner 10 fortsetzen, bis das Ass von Süd kommt! Die restlichen kleinen ♠️ bei West wären dann "befreit" und machen die Längenstiche.

Aber welche Karte soll Süd (nach ♠️K - ♠️5 - ♠️3) nun nehmen und warum?

So richtig es im Bridge in den meisten Fällen ist, Könige mit Assen zu übernehmen - hier wäre es grundfalsch! Überprüfen wir einmal die Folgen dieses Fehlers: Wenn Ost nur einmal zum Spiel kommt - und dieser Fall tritt ein, wenn Ost auch nur eines der beiden fehlenden roten Bilder (♥️A, ♦️K) hält - wird er die Pikfarbe seines Partners zurückbringen! West schneidet dann unseren Buben heraus, und wir sind verloren, sofern nicht die Piks freundlicherweise 4-4 stehen und außerdem Karo-König im Schnitt sitzt.

Fazit: Wir ducken also in gewohnter Manier die erste Runde!

Nun ist West in einem Dilemma: Setzt er Pik fort, dann spielt er netterweise in unsere Gabel

(A B), oder aber er wechselt auf eine andere Farbe, und wir behalten unseren Pikstopper (nur das Ass!).

Dieser verblüffend einfache wie erfolgreiche Coup soll in einem Heilbad im Südwesten Englands erfunden worden sein, der kleinen Stadt Bath, die schon zur Römerzeit für ihre heißen Quellen berühmt war. Wahrscheinlich wurde dieses wirkungsvolle Manöver bereits im19. Jahrhundert entdeckt! In einer Zeit, als man noch Whist spielte. Der "Bath-Coup" hat uns also über die erste Hürde gebracht.

Nehmen wir einmal an, dass West mit der ♦️5 fortsetzt! Nächste Frage: Schneiden wir in Karo? Machen wir kurz Bilanz: Selbst wenn ♦️K auf West sitzt und wir ihn beim zweiten oder dritten Mal erfolgreich herausschneiden, so dass er unter unser Ass fällt, haben wir zusammen mit

♠️A sowie ♣️A und ♣️K erst 8 Stiche, so dass wir auch in Coeur den Gegner ans Spiel kommen lassen müssen. Wir brauchen also zwingend auch Stiche in Coeur!! Der Gegner hingegen verfügt über einen sicheren Einstich (♥️A) und ein mögliches Entrée (♦️K), der aber nur dann einen Stich erzielen kann, wenn er auf Ost sitzt!! Eine sehr wichtige Erkenntnis.

Süd sollte sich also Gedanken über die vier möglichen Verteilungen der „kritischen Karten“ machen!

West hat beide Bilder. Wenn wir (erfolgreich) schneiden und Coeur fortsetzen, dürften wir wohl 11 Stiche erzielen, falls West den ♦️K nur zu zweit oder zu dritt hält! Sonst aber machen wir ohne Mühe neun Stiche. Wenn wir in Karo sofort das Ass nehmen und Coeur fortsetzen, um später erst die Karos zu entwickeln, erfüllen wir den Kontrakt auch: Da es immer West ist, der zu Stich kommt, halten wir die Pikfarbe doppelt gedeckt.

West hat ♥️A, Ost hingegen den ♦️K. Wenn wir schneiden, kommt Ost ans Spiel und spielt Pik. Unser Stopper ist dahin, West kassiert die Faller, sobald wir ihn mit Coeur- Ass zu Stich kommen lassen müssen! Verzichten wir auf den Schnitt in Karo und nehmen gleich das Ass, und klären sofort die Coeurs, haben wir gewonnen, denn West kann unseren Stopper nicht entfernen: Er kann uns ja nur in die Gabel spielen, wenn er Pik bringt!

West hat den ♦️K,Ost hingegen das ♥️A. Wenn wir schneiden, ist alles gut, da wir nach geglücktem Schnitt sofort Coeur klären! Schneiden wir nicht, dann spielt Ost, sobald er mit Coeur-Ass zu Stich gekommen ist, Pik! West kommt später mit Karo- König ans Spiel und kassiert die Faller!

FallsOstbeideBilderhat,istesegal,obwirschneidenodernicht,daOstjaimmerzu Stich kommt. Sein Pik-Rückspiel wird erneut geduckt - es sieht so aus, als ob ein "Schnitt" (mit Pik-Bube) versucht würde, der nicht gehen kann - und Ost kann Pik nicht mehr nachspielen, wenn West mit fünf oder sechs Pik-Karten startete!!

Wir gelangen also zu folgendem Ergebnis: Sind die Bilder in einer Hand (Verteilungen A und D), ist es ziemlich egal, ob wir schneiden oder nicht! Sitzen sie aber verteilt, ist es von spielentscheidender Bedeutung, ob wir das Karo-Ass spielen oder den Schnitt versuchen!

Frage: Welche Verteilung dürfte die wahrscheinlichere von beiden sein? B oder C?

Mit etwas psychologischem Einfühlungsvermögen kommen wir dazu, West auf das ♥️A, Ost auf den ♦️K zu taxieren: West dürfte kaum mit K x x in Karo gegen eine so starke Farbe am Dummy gespielt haben!

Möglichkeit B könnte also demnach vorliegen!? Wir übernehmen also mit dem ♦️A, wechseln auf Coeur und entwickeln erst später die Karos!!! Steht jedoch wider Erwarten ♦️K bei West

und ♥️A bei Ost (also Möglichkeit C), sind wir verloren und können West nur noch zu seiner "brillanten Verteidigung" gratulieren!

Fazit:

Der Alleinspieler muss sich häufig bereits nach dem Ausspiel, für eine ihm sinnvollste Spiel-Alternative entscheiden, es sei denn, es treten unmittelbar andere Optionen durch das Spiel der gegnerischen Karten auf.